Sommer-Seilbotschaft

Sommer-Seilbotschaft

Statt zu sagen: Sitz nicht einfach nur da – tu irgendetwas, sollten wir das Gegenteil fordern: Tu nicht einfach irgendetwas – sitz nur da.“
(Thich Nhat Hanh, buddhistischer Mönch, Schriftsteller und Lyriker)

Sommerzeit – Ferienzeit. Wie in jedem Jahr drängen sich die Termine, weil die Ferien irgendwie einen Einschnitt markieren, als ob es danach anders, verändert weitergeht: das Ende der soundsovielten Klasse feiern, Traditionen wie das alljährliche Chor-Grillen pflegen, noch schnell Unerledigtes auf der langen To-Do-Liste abarbeiten, und dazu noch nächtliche WM-Spiele schauen. Aber ist nach den Ferien wirklich alles anders, alles neu? Und wenn ja, was braucht es für Erneuerung? Wie gelingt Veränderung?

Mir geht es oft so - und vielleicht kommt Ihnen das bekannt vor -, dass im Alltag die Zeit nur so dahin fliegt; Zeit zum Innehalten ist gefühlt nicht da bzw. ich nehme sie mir einfach nicht. Tag für Tag arbeite ich meine Stapel ab, getrieben von dem, was als nächstes dran oder wichtig ist. Bloß nicht nachdenken, die nächste Aufgabe wartet schon auf Erledigung. Meine innere Stimme verbietet mir meistens, „einfach nur da zu sitzen“! Selbst die Viertelstunde im Zug am Morgen und am Mittag, wird genutzt – nur noch schnell die Mails checken.

„Tu nicht einfach irgendetwas – sitz nur da“ fordert Thich Nhat Hanh uns auf. So eine Zugfahrt wäre ja schon mal ein Anfang! Einfach nur da sitzen, aus dem Fenster schauen, die Gedanken mit den vorbeifliegenden Landschaften ziehen lassen ….

Meine Urlaubszeit beginnt in wenigen Wochen. Fast drei Wochen Föhr, meine geliebte Ferieninsel. Ich nehme mir vor, möglichst viel und möglichst häufig einfach nur da zu sitzen . Die Armbanduhr lasse ich zu Hause, das weltweite web auf meinem smarten Telefon bleibt ausgeschaltet, die Fachliteratur macht in Oberhausen Urlaub. Mich treiben zu lassen von dem, was ist, wozu ich Lust habe, achtsam zu sein für das, was mir wirklich gut tut, das ist mein Traum von diesem kommenden Urlaub. Schon während ich diese Zeilen schreibe, macht sich ein gutes Gefühl breit!

Man sagt, es braucht sieben Wochen konsequente Einübung, bis neue Gewohnheiten verinnerlicht und in Fleisch und Blut übergegangen sind. Da hätte ich nach drei Wochen Ferien ja schon fast Halbzeit! Also: auf geht’s, worauf noch warten?

Und was nehmen Sie sich für die Ferienzeit vor? Vielleicht ist ja die Idee vom „einfach nur da sitzen“ auch etwas für Sie? Ich wünsche Ihnen jedenfalls, egal wie und wo, eine entspannte Sommerzeit!

- Ihre Christine Kempkes